Unser Fachbereich Anästhesiologie

Neben einem erfahrenen und hochspezialisiertem Team in der Anästhesie gewährleisten wir mit den allen gängigen modernen Narkoseverfahren im Krankenhaus Tutzing jedem Patienten eine individuelle und sichere Narkose.

Das Fachgebiet der Anästhesiologie umfasst Narkoseverfahren aller Art und gewährleistet die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen während operativer und diagnostischer Eingriffe sowie in der Intensivmedizin, der Notfallmedizin, der Schmerztherapie und der Palliativmedizin. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Einblicke in die verschiedenen Narkoseverfahren und ihre Techniken geben, die bei uns verwendet werden:

Narkosevorbereitung

Vor der Operation führen wir mit jedem Patienten ein persönliches Prämedikationsgespräch. Ziel dieses Gespräches ist es, individuelle Risiken, Ängste und Sorgen zu erörtern und abzuklären. Gemeinsam mit dem Patienten werden Fragen und Wünsche besprochen und abschließend das passende Anästhesieverfahren vereinbart. 

Erfahrene Anästhesistinnen und Anästhesisten widmen sich dort Ihrer Krankengeschichte, erheben Befunde, führen eine körperliche Untersuchung durch und besprechen mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch das für Sie am besten geeignete Narkoseverfahren. Der Anästhesist wird den von Ihnen ausgefüllten Aufklärungsbogen und alle gegebenenfalls vorhandenen Krankenunterlagen besprechen.

Danach wird Ihnen das für Ihre Operation geplante Narkoseverfahren genau erläutert. Sie erhalten Hinweise für das richtige Verhalten vor und nach der Narkose, insbesondere das Einnehmen von Medikamenten am OP-Tag sowie die Planung der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Besprochen werden ebenfalls mögliche Alternativen bzw. Ergänzungen zum Anästhesieverfahren. Sie können offen Ihre Fragen, Sorgen und Wünsche äußern. Alle relevanten Daten werden auf speziellen Protokollen schriftlich vermerkt und dem Arzt übergeben, der Ihre Narkose durchführen wird.

Die Anästhesiesprechstunde kann auch schon weit im Voraus einer geplanten OP genutzt werden, um gemeinsam mit dem Arzt bestimmte Risiken zu besprechen. Insbesondere Patienten mit schwerwiegenden Vorerkrankungen sollten diese Option nutzen, um eventuelle Therapien für eine Verbesserung der Narkosefähigkeit schon im Vorfeld einzuleiten.

Nach der Behandlung in unserer Abteilung erhalten unsere Patienten im Rahmen der Beurteilung ihres Krankenhausaufenthaltes einen Fragenkatalog, der ihre persönliche Meinung über unsere Leistungen erfragt. Wir freuen uns hier über jedes Lob und auch über Kritik, um uns weiter verbessern zu können.

Allgemeinanästhesie

Im Volksmund auch als "Vollnarkose" bekannt, hebt die Allgemeinanästhesie das Bewusstsein, das Schmerzempfinden und meistens auch die Muskelspannung des Patienten vollständig auf. Die "Vollnarkose" ist in unserem Haus das am häufigsten durchgeführte Narkoseverfahren. Man unterteilt eine Allgemeinanästhesie grob in drei Phasen, die wir im Folgenden kurz erläutern wollen:

1. Vorbereitung auf die Operation

Schon auf der Station bekommen Sie ein Beruhigungsmedikament, welches Ihnen die Anspannung nehmen soll. Generell kann dieses leichte "Beruhigungsmedikament" zu Schwindel und Müdigkeit führen. Nachdem Sie in den Operationstrakt gebracht wurden, werden Sie vom Anästhesie-Team, bestehend aus Anästhesist und Anästhesiepflegekräften, in Empfang genommen und in den Narkoseeinleitungsraum begleitet. Dort werden wir zunächst noch einmal Ihre Identität überprüfen und Ihnen einige Fragen zu bekannten Allergien, Vormedikationen und zur letzten Nahrungsaufnahme stellen.

Nach Abschluss der Vorbereitungen halten wir Ihnen eine Sauerstoffmaske vor das Gesicht und bitten Sie, tiefe Atemzüge zu machen, um den Sauerstoffanteil im Blut anzuheben. Dies ist nicht unangenehm, dient aber Ihrer größtmöglichen Sicherheit. Die eigentliche Einleitung der Narkose erfolgt dann durch Medikamentengabe in die Vene über die liegende Kanüle, die wir Ihnen im Rahmen der Vorbereitungen gelegt haben. Einige der nun verabreichten Medikamente können leicht brennen und ziehen.  

Innerhalb weniger Sekunden werden Sie sehr angenehm einschlafen. Kurz nachdem der Schlafzustand eingetreten ist, wird auch Ihre Atmung aussetzen. Ein Moment, auf den der Anästhesist gut vorbereitet ist. Mit Hilfe eines Beatmungsbeutels prüft der Arzt, ob Sie sich gut beatmen lassen. Ist dies der Fall, wird nach Muskelentspannung ein sogenannter Endotrachealtubus (Beatmungsschlauch) in die Luftröhre eingeführt, und Sie werden an das Beatmungsgerät angeschlossen. Bei vielen kürzeren Eingriffen besteht auch die Möglichkeit der Anwendung einer Kehlkopfmaske (Larynxmaske), bei der die Stimmbänder nicht passiert werden und somit keine Heiserkeit/Stimmbandschäden verursacht werden können.

Der Anästhesist nimmt nun alle wichtigen Einstellungen wie Beatmungsdruck, Beatmungsfrequenz, Atemgaszusammensetzung und Narkosegaskonzentration vor. Ist eine größere Operation vorgesehen, wird der Anästhesist nun noch weitere Katheter platzieren, bei kleineren Operationen geht es direkt nach der Narkoseeinleitung in den Operationssaal.

2. Die Narkoseaufrechterhaltung

Während der gesamten Operation und darüber hinaus ist der Narkosearzt unmittelbar bei Ihnen. Zu jedem Zeitpunkt steuert er die Beatmungsparameter und überwacht wichtige Lebensfunktionen, wie Herzfrequenz und Blutdruck. Die Narkose wird kontinuierlich aufrechterhalten. Die Dosierung der Narkose wird immer an die Operationssituation und an die Kreislaufsituation des Patienten individuell angepasst. Es stehen prinzipiell zwei medikamentöse Verfahren zur Narkoseaufrechterhaltung zur Verfügung.

Im Krankenhaus Tutzing bieten wir sowohl die „totalintravenöse Anästhesie (TIVA)“ als auch eine „Inhalationsanästhetika-basierte Narkoseführung“ an. Beide Verfahren werden wir Ihnen vor der Operation erläutern. Selbstverständlich kann der Patient eigene Wünsche bezüglich der einzelnen Verfahren mit seinem betreuenden Anästhesisten besprechen. So gewährleisten wir immer die entsprechend notwendige Narkosetiefe. Sollten sich Ihre Kreislaufparameter außerhalb des tolerablen Bereiches befinden, so wird der betreuende Anästhesist umgehend mit kreislaufwirksamen Medikamenten gegensteuern. Sollten Sie während der Operation aus dringenden Gründen Blutprodukte benötigen, so ist auch die Transfusion der verschiedenen Konzentrate die Aufgabe Ihres Anästhesisten.

2. Die Narkoseausleitung

Gegen Ende der Operation verringern wir schrittweise die Gabe von Narkosemedikamenten und stellen sie nach. Beendigung der Operation schließlich ganz ein. Durch eine genaue Kenntnis der Wirkweise der verschiedenen Medikamente ist möglich, die Narkose auf den Punkt genau zu beenden. Im Idealfall wachen Sie kurz nach der Anlage des Verbandes auf.

Wenn Ihre eigene Atmung wieder ausreichend eingesetzt hat, wird der Anästhesist den Beatmungsschlauch entfernen - ein Vorgang, an den sich die meisten Patienten in aller Regel nicht erinnern. Im Aufwachraum wird der Patient noch für einige Zeit von einem Team aus erfahrenen Ärzten und Pflegekräften betreut. Erst wenn wir sicher sind, dass voraussichtlich keine Komplikationen mehr auftreten werden und Sie stabil und schmerzfrei sind, kommen Sie wieder auf die Normalstation.

Über die Narkose hinaus betreuen wir Sie auch in den folgenden Tagen nach der Operation. Wiederholt werden Sie von unserem spezialisierten Schmerzteam („Pain Nurses“) unserer Abteilung auf der Normalstation besucht und versorgt.

Regionalanästhesie

Die Regionalanästhesie

Es muss nicht immer eine Vollnarkose sein. Viele Operationen werden heutzutage in regionaler Anästhesie bzw. Teilnarkose durchgeführt. Dabei injiziert der Anästhesist spezielle Medikamente in die Nähe relevanter Nerven, ähnlich der Betäubung beim Zahnarzt, so dass die Schmerzweiterleitung vom Operationsgebiet zum zentralen Nervensystem blockiert wird. Alle Verfahren sind sehr sicher, werden zumeist in einem leichten Dämmerschlaf durchgeführt und bieten dem Patienten in der Folge ein Höchstmaß an Komfort.

Im Gegensatz zur Vollnarkose muss der Patient bei einer Teilnarkose nicht in einen Tiefschlaf versetzt und künstlich beatmet werden. Dadurch entfallen die Nebenwirkungen und Risiken einer Vollnarkose. Zudem entfällt bei einer Einmalgabe eines Lokalanästhetikums die meist nötige Einnahme von höherpotenten Schmerzmitteln in der Anfangsphase nach einer Operation. Diese sind nicht selten mit erheblichen Nebenwirkung (Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit oder Verstopfung) vergesellschaftet.

Operative Eingriffe mit im Anschluss zu erwartenden stärkeren Schmerzen werden zumeist mit einem Schmerzkatheterverfahren im Bereich der entsprechenden Nerven kombiniert. Auch hier beträgt der Schmerzmittelverbrauch im Anschluss nur einen Bruchteil dessen was sonst nötig wäre. Alle Regionalanästhesieverfahren lassen sich grundsätzlich mit einer Sedierung, also einem leichten Schlaf, kombinieren. Alternativ können Sie während der Teilnarkose auch über Ihr Smartphone oder einen unserer iPods die Musik Ihrer Wahl hören.

Sicherheit hat in der Regionalanästhesie, wie in allen anderen Bereichen der Anästhesie, höchste Priorität. Aus diesem Grund verlassen auch wir uns nicht mehr nur alleine auf unsere Anatomiekenntnisse, sondern haben das Sonographieverfahren (Ultraschall) als Goldstandard etabliert. Hierdurch ist es möglich, Nervenstrukturen zweifelsfrei zu identifizieren und durch ein spezielles Lokalanästhetikum zu betäuben. Umgebende Blutgefäße als auch die Nerven selbst können dadurch maximal geschont werden.

Die peripheren Regionalanästhesieverfahren

Die axilläre / infraclaviculäre / supraclaviculäre Plexusblockade ist ein Regionalanästhesieverfahren der oberen Extremität und wird zur Betäubung bei Oberarm-, Ellenbogen-, Unterarm- und Handeingriffen eingesetzt. Mittels Ultraschall werden im Achsel- und Schlüsselbeinbereich gezielt die Nerven aufgesucht, die für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Nach Umspülung der betreffenden Nerven können Operationen in oben genannten Bereichen ohne Schmerzen problemlos durchgeführt werden.

Der proximale / distale Ischiadicusblock
ist ein Regionalanästhesieverfahren der unteren Extremität. Je nach nötiger Ausbreitung der Betäubung wird der Ischiasnerv im oberen oder unteren Bereich des Oberschenkels mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Dieser kann ebenfalls mühelos mittels Ultraschall auf der Rückseite des Oberschenkels aufgesucht und blockiert werden. Der distale Ischiadicusblock eignet sich hervorragend für Operationen am Fuß und am Unterschenkel und wird gelegentlich noch für Eingriffe am Knie eingesetzt.

Die Femoralnerv- / Saphenusblockade
Hierbei handelt es sich um die Blockade des Femoralnerven, der mittels Ultraschall in der Leistengegend gut darstellbar und zu blockieren ist. Dabei handelt es sich um ein Nervenbündel mit motorischen Anteilen. Obwohl dies ein sehr etabliertes Verfahren zur Schmerzausschaltung im Bereich des Kniegelenks ist, wird in den letzten Jahren zunehmend der sog. Saphenusnerv betäubt. Dieser Nerv stellt einen sensiblen Ast des Femoralnerven dar und wird in der Mitte des Oberschenkels auf der Innenseite blockiert. Durch das isolierte Ausschalten des Nervus saphenus entfallen die ausgeprägte Schwäche der Streckmuskulatur des Knies und Sie sind als Patient wieder schneller in der Lage, ihr Bein aktiv zu bewegen.

Die Schmerzkatheterverfahren
Handelt es sich um eine Operation mit zu erwartenden starken und/oder längerfristigen Schmerzen kann ultraschallgestützt an nahezu jedes Nervengeflecht ein sog. Schmerzkatheter (unter 1mm im Durchmesser) platziert werde. Über eine spezielle Spritzenpumpe kann dann kontinuierlich oder in kleineren Bolusgaben ein lokales Betäubungsmittel an die entsprechenden Nerven abgeben werden, wodurch die Schmerzen erst gar nicht an das Gehirn weitergeleitet werden können.

Durch die oben genannten Verfahren ist es möglich, einen Großteil der Schmerzmittel und die damit verbundenen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und/oder Verstopfung zu reduzieren.

Die rückenmarksnahen Regionalanästhesieverfahren

Die Spinalanästhesie

Vorbereitung: Da Sie bei der Anlage der Spinalanästhesie in der Regel eine sitzende Position einnehmen müssen, brauchen wir Sie zur Durchführung des Ganzen etwas wacher. Zunächst werden wir Ihren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule ausgiebig desinfizieren. Im weiteren Verlauf decken wir die Einstichstelle steril ab und applizieren eine kleine Menge eines örtlichen Betäubungsmittels unter die Haut. Dies ist in aller Regel der einzige kurze Pieks, den Sie bei der Anlage der Spinalanästhesie spüren.

Durchführung:
Mit einer hauchdünnen Nadel punktiert der Anästhesist nun zwischen zwei Lendenwirbelkörpern den sogenannten Spinalkanalraum. Dies geschieht auf einer Höhe, in der das Rückenmark nicht verletzt werden kann, da es bereits eine Handbreit über der Einstichstelle endet. In diesem Raum zirkuliert das Nervenwasser (Liquor) kontinuierlich um das Rückenmark und das Gehirn. Jetzt werden 2-4 ml Lokalanästhetikum in diesen Raum injiziert. Dieses verteilt sich und umspült die aus dem Rückenmark nach unten abzweigenden Nervenfasern. Das Rückenmark selbst endet wohlgemerkt mehrere Zentimeter oberhalb der Einstichstelle. Die Nadel wird sofort nach der Injektion des Lokalanästhetikums wieder entfernt. Das Medikament unterbricht nun die Schmerzweiterleitung von der Peripherie ins Gehirn. Zunächst wird das Gesäß warm und innerhalb weniger Minuten der gesamte Unterkörper schmerzunempfindlich. In den meisten Fällen spüren Sie gar keine Berührung mehr. Vor Operationbeginn prüft der/die Anästhesist(in) und der/die Chirurg(in) noch einmal die Ausdehnung und Wirkung der Spinalanästhesie.

Beendigung:
Die Spinalanästhesie kann nicht gezielt beendet werden. Je nach verwendetem Lokalanästhetikum hält die Wirkung zwischen einer und sechs Stunden an und lässt dann wie beim Zahnarzt von ganz alleine nach. Sollten Sie Angst davor haben, während des Eingriffs wach zu sein, so können wir Ihnen auf Wunsch gerne ein leichtes Schlafmedikament verabreichen. Dadurch nehmen Sie die Umgebung um sich herum kaum noch wahr. Wenn Sie möchten, können Sie sich auch gerne Musik über Kopfhörer von ihrem Smartphone abspielen, oder Sie lauschen über einen unserer iPods einfach der Musik Ihrer Wahl.

Was spricht gegen eine Spinalanästhesie?

Bei einigen wenigen Patienten ist die Durchführung einer Spinalanästhesie leider nicht möglich. In erster Linie sprechen folgende Gründe gegen eine Spinalanästhesie:

  • Einnahme bestimmter gerinnungshemmender Medikamente (ASS in niedriger Dosierung stellt keine Kontraindikation dar)
  • Stenosen, also Engstellen, im Bereich des Abgangs der Aorta aus dem Herzen (Aortenklappenstenose)
  • Wunden oder Infektionen im Bereich der potentiellen Einstichstelle
  • Bestimmt Nervenerkrankungen

Gegebenenfalls können im Einzelfall noch anderen Gründe gegen eine Spinalanästhesie sprechen. Ihr Anästhesist in der Anästhesiesprechstunde wird dies bei Bedarf genau mit Ihnen erörtern.

Die Periduralanästhesie

Die Periduralanästhesie wird häufig mit der Spinalanästhesie verwechselt. Sie ist zwar auch ein rückenmarksnahes Verfahren, aber die Injektion des Lokalanästhetikums erfolgt in einen anderen Raum, den sogenannten Periduralraum. Dieser liegt anatomisch gesehen vor dem Spinalraum und ist von diesem durch die harte Hirnhaut, die Dura mater, getrennt. Die Periduralanästhesie ist ein klassisches Begleitverfahren bei großen Bauch- oder Extremitäteneingriffen, um dem Patienten in den Tagen nach der Operation sehr einfach und angenehm die Schmerzen zu nehmen.

Vorbereitung: Die Vorbereitungen sind weitestgehend analog zu denen bei der Spinalanästhesie. Der Anästhesist begutachtet zunächst den Rücken des sitzenden Patienten und markiert sich die beste Stelle für die spätere Punktion. Dieser Bereich wird dann mehrfach ausgiebig desinfiziert und steril abgedeckt.

Durchführung: Es wird eine kleine Menge örtlichen Betäubungsmittels unter die Haut gespritzt. Das Schmerzempfinden in diesem Bereich ist nun aufgehoben, und der Patient bekommt von der Anlage der Periduralanästhesie, abgesehen von einem leichten Druck, nichts mehr mit. Mit einer speziellen Nadel und einer ebenso speziellen Technik sucht der Anästhesist nun den Periduralraum im Wirbelkanal auf. Über die liegende Kanüle wird dann direkt ein hauchdünner Plastikkatheter eingeführt und die Kanüle im Anschluss entfernt. Der Katheter wird fixiert und kann mehrere Tage in dieser Position verweilen.

Aufrechterhaltung: Über den einliegenden Katheter kann nun intermittierend oder kontinuierlich über Spritzenpumpen, ein Lokalanästhetikum verabreicht werden. Ziel ist es eine Schmerzausschaltung bei erhaltener Muskelfunktionalität in den Beinen zu erreichen.

Warum eine Periduralanästhesie ?

  • Wirksamste Methode der Schmerzausschaltung nach großen Operationen
  • Schmerztherapie über mehrere Tage möglich
  • Möglichkeit der Steuerung der Therapie über Knopfdruck durch den Patienten selbst
  • bessere Durchblutung der Darmschlingen und rascheres Einsetzen der Darmperistaltik
  • positive Beeinflussung der Wundheilung möglich
  • frühere Mobilisierbarkeit des Patienten

Patientenkontrollierte Schmerztherapieverfahren (PCAI)

Bei zu erwartenden stärkeren Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff und entsprechenden Kontraindikationen für ein bestimmtes Regionalanästhesieverfahren kommt für Sie die Möglichkeit PCAI-Pumpe in Betracht. Dies ist eine spezielle Form der medikamentösen Schmerztherapie bei der die Gabe eines Medikamentes über eine spezielle Spritzenpumpe in die Vene erfolgt. Hierbei können Sie sich selbst in Abhängigkeit von der Schmerzstärke durch einfachen Druck auf einen Knopf wiederholt eine festgelegte Menge des Schmerzmedikamentes verabreichen. Eine Überdosierung ist hierbei nicht möglich.

Der Akutschmerzdienst (ASD)

In unserer Klinik verfügen wir über einen Akutschmerzdienst, der Ihnen rund um die Uhr zur Seite steht und Sie bei speziellen Schmerztherapieverfahren mehrmal täglich visitiert. Der Akutschmerzdienst wird durch geschultes Fachpersonal (sog. „Pain Nurses“) in Zusammenarbeit mit den Ärzten des Zentrums für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerzmedizin und Palliativmedizin durchgeführt.

Die Schmerzskala im Benedictus Krankenhaus Tutzing

Um die oben genannten Verfahren individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen zu können, benötigen wir Ihre aktive Mithilfe.

Sie werden von unserem Pflegepersonal und unseren Stationsärzten vom Beginn der Aufnahme bis zur Entlassung mehrfach täglich nach Ihrem aktuellen Schmerzempfinden in Ruhe und unter Belastung befragt.

Zur Erfassung der Schmerzstärke dient eine einfache Skala von 0-10

Bitte teilen Sie uns in kurzen Worten mit, wie Sie Ihre momentanen Schmerzen in Ruhe und unter Belastung (z.B. Husten, Bewegung) auf oben dargestellter Skala empfinden.

Beispiel A: In Ruhe bzw. im Liegen habe ich Schmerzen von 2-3.
Wenn ich mich bewege oder Husten muss, dann ist der Schmerz bei bis zu 6.

Beispiel B: "Mir fällt das tiefe Durchatmen schwer, da meine Schmerzen, dann schon bei 7-8 liegen.
Wenn ich weniger tief einatme ist der Schmerz mit 3-4 etwas leichter.“

 

Durch Ihre Angaben können wir unser Schmerzkonzept optimal und individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen.

 

Postoperative Akutschmerztherapie

Zur Nachversorgung gehört die Betreuung des Patienten nach der Operation im Aufwachraum und auf der Intensivstation. Ein wichtiger Punkt der Nachsorge ist die Behandlung akuter Schmerzen im Nachgang der Operation auf der chirurgischen oder internistischen Station. In speziellen Fällen übernehmen wir die Schmerztherapie auch auf der Station. Dazu bieten wir folgende Verfahren an:

1. Patienten-kontrollierte Analgesie intravenös (PCAI)

Bei diesem Verfahren können Sie sich selbst über eine spezielle Infusionspumpe eine vorher definierte Menge an Schmerzmittel zuführen. Dafür haben Sie einen Handschalter, mit dem Sie das Schmerzmittel selbständig über den liegenden zentralen Venenkatheter oder einen peripheren Venenzugang applizieren. Anschließend ist das Gerät für einige Minuten gesperrt, um Überdosierungen durch zu häufige Anforderungen zu vermeiden. Wichtig zur optimalen Verwendung der PCA ist frühzeitiges Anfordern einer Zusatzdosis dann, wenn Schmerzen wieder auftreten oder zunehmen. Mit dieser Methode haben Sie Ihre Schmerztherapie sozusagen selber in der Hand.

2. Regionalanästhesieverfahren in Kathetertechnik

Dabei wird ein sehr dünner Katheter (dünner als eine Bleistiftmine) in örtlicher Betäubung in die Nähe der Nerven gelegt, die das betroffene Operationsgebiet versorgen. Über diesen Katheter kann dann kontinuierlich ein örtliches Betäubungsmittel zugeführt werden. Diese Technik eignet sich besonders für Operationen an den Extremitäten und an der Schulter. Der Vorteil dieser Kathetertechnik besteht darin, dass nur die entsprechenden Nerven des Operationsgebiets betäubt werden und mögliche, allgemeine Nebenwirkungen intravenös verabreichter Schmerzmittel wie Müdigkeit oder Übelkeit ausbleiben.

3. Rückenmarknahe Regionalanästhesieverfahren in Kathetertechnik

Nach Operationen an der Hüfte und vor allem auch nach Operationen im Bauchraum (Darmtumoren, Bauchaortenaneurysmen) ist dieses Verfahren zur postoperativen Schmerztherapie geeignet und von Vorteil. Dabei wird in örtlicher Betäubung ein dünner Katheter an die vom Operationsgebiet zum Rückenmark ziehenden Nerven gelegt (lumbaler Epiduralkatheter) oder direkt in die Nähe des Rückenmarks plaziert (thorakaler Epiduralkatheter). Über diesen Katheter können dann kontinuierlich mittels einer Pumpe örtliche Betäubungs- und Schmerzmittel zugeführt werden. Der Vorteil dieser Technik besteht wiederum darin, dass mögliche allgemeine Nebenwirkungen intravenös verabreichter Schmerzmittel vermieden werden. Insbesondere erleichtert dieses Verfahren ein besseres Durchatmen nach Operationen am Oberbauch und wirkt so vorbeugend gegen Störungen der Lungenfunktion.

4. Patienten-kontrollierte Epidurale Analgesie (PCEA)

Bei diesem Verfahren haben Sie die Möglichkeit, neben der kontinuierlichen Schmerz- und Betäubungsmittelzufuhr selber Zusatzdosierungen von der Pumpe abzurufen. Die Vor- und Nachteile dieser Verfahren erläutern wir Ihnen ausführlich im persönlichen Gespräch.