Gallensteinleiden

Gallensteine werden interdisziplinär in den Abteilungen für Innere Medizin und Viszeralchirurgie behandelt.

Krankheitsbild

15 – 20% unserer Bevölkerung haben Gallensteine, meist in der Gallenblase, selten in den Gallenwegen. Bei ca. 20 – 40% der Steinträger kommt es zu Beschwerden. Charakteristische Beschwerden sind Schmerzattacken im rechten und mittleren Oberbauch, die auch in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen können, oft in Verbindung mit Übelkeit, gelegentlich auch mit Erbrechen. Komplikationen wie eine Entzündung der Gallenblase oder Gallenwege, eine Verstopfung des Hauptgallengangs oder gar eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sind wesentlich seltener. Die körperliche Untersuchung in Verbindung mit einem Ultraschall und einer Laboruntersuchung erbringt meistens die Diagnose, selten sind zusätzliche Untersuchungen wie Magen- oder Gallengangsspiegelung (ERCP), Magnetresonanztomographie (MRT) mit Anfärben der Gallenwege (MRCP) oder Computertomographie erforderlich.  Bei bestehendem Beschwerdebild lässt sich mittels klinischer Untersuchung sowie Laboruntersuchung, Sonographie und CT-Untersuchung in der Regel ein Gallensteinleiden diagnostizieren.

Diagnose und Behandlungsempfehlungen

Mit unseren Behandlungsempfehlungen orientieren wir uns streng an den Leitlinien unserer Fachgesellschaften.

1. Gallenblasensteine ohne Beschwerden (asymptomatische Cholecystolithiasis): Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Ausnahmen:      

• Porzellangallenblase: Bei Verkalkungen der Gallenblasenwand, insbesondere fleckförmig angeordneten,  sollte die Gallenblase entfernt werden.
• Bei Steinen, die größer als 3 cm sind, kann die Gallenblase vorsorglich entfernt werden,  da hier das Risiko für die Entstehung eines Gallenblasenkarzinoms leicht  erhöht ist.


2. Gallenblasensteine mit Beschwerden (symptomatische Cholecystolithiasis): 
Die Entfernung der Gallenblase sollte nicht nur wegen der oft wieder auftretenden Koliken, sondern auch wegen des erhöhten Risikos einer Komplikation entfernt werden. Die Auflösung oder Zertrümmerung der Steine ist zugunsten der komplikationsärmeren minimalinvasiven Operation weitgehend verlassen worden.

3. Eine akut entzündete Gallenblase (akute Cholecystitis)
Diese sollte in der Regel rasch operativ entfernt werden, heutzutage auf minimalinvasivem Weg mit kleinen Schnitten.

4. Verlegung der Gallenwege (Choledocholithiasis), evtl. mit zusätzlicher Gelbsucht und Entzündung

Dabei erfolgt in der Regel eine endoskopische Entfernung der Gallensteine durch eine Spiegelung, ähnlich einer Magenspiegelung. Oft wird dabei auch die Mündung des Gallengangs erweitert und evtl. ein Drainageröhrchen in den Gallengang eingelegt. Zusätzlich sollte auch die Gallenblase als Hauptentstehungsort der Steine operativ entfernt werden.

5. Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis):
Bei Verlegung der gemeinsamen Mündung von Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang durch einen Stein kommt es zum Rückstau auch von Bauchspeichel. Oft ist bei dieser schwerwiegenden, manchmal lebensbedrohlichen Komplikation eine intensivmedizinische Betreuung notwendig. Neben einer Spiegelung zur Steinentfernung und meist einer Gallenblasenentfernung muss hier manchmal abgestorbenes und infiziertes Gewebe drainiert werden. Dies kann durch eine Ultraschall- oder CT-gesteuerte Drainageeinlage oder durch eine Operation erfolgen.

Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus Tutzing

Das Gallensteinleiden wird in unserem Krankenhaus interdisziplinär behandelt, d.h. dass sowohl der auf Gallensteinleiden spezialisierte Internist (Gastroenterologe), als auch der Bauchchirurg (Viszeralchirurg) gemeinsam die erforderlichen Untersuchungen planen und die Behandlungsempfehlung festlegen. Sämtliche Untersuchungsmöglichkeiten stehen im Krankenhaus Tutzing zur Verfügung: Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetspintomographie (MR, MRCP) und Endoskopie (ERCP). Sollte endoskopisch ein Drainageröhrchen (Stent) eingelegt werden, muss dieses meist nach 6 - 12 Wochen endoskopisch wieder entfernt werden. Die Gallenblasenoperation wird standardmäßig minimalinvasiv (mit kleinen Schnitten = Schlüssellochtechnik) durchgeführt. Hierfür steht modernste Ausrüstung bis hin zur HD-Kameratechnik zur Verfügung. Zudem wurden sehr dünne Instrumente für noch kleinere Schnitte angeschafft. Bei nicht entzündeter Gallenblase ist auch eine Entfernung nur über einen einzigen, im Nabel versteckten Schnitt (Single-Incision-Laparoscopy = SILS) möglich. Die Operation erfordert normalerweise nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt, da die Erholung sehr rasch erfolgt, das Risiko einer Komplikation ausgesprochen niedrig ist und nach der Operation nur geringe, mit einem leichten Schmerzmittel gut behandelbare Beschwerden auftreten. Bei biliärer Pankreatitis erfolgt die Betreuung der schwerkranken Patienten auf unserer Intensivstation.

Verhalten nach der OP

Am Tag nach der Gallenblasenentfernung kann man in der Regel: - normal essen und trinken - duschen - spazieren gehen und Treppensteigen Aufgrund der kleinen Schnitte kann man nach 10 – 14 Tagen die Bauchdecke wieder normal belasten. Eine spezielle Diät muss nach der Entfernung der Gallenblase nicht eingehalten werden.