Hintergrundwissen: Regionalanästhesie
Es muss nicht immer eine Vollnarkose sein; viele Operationen werden heutzutage in regionaler Anästhesie (Teilnarkose) durchgeführt. Dabei spritzt der Anästhesist spezielle Medikamente in die Nähe relevanter Nerven, so dass die Schmerzweiterleitung vom Operationsgebiet zum zentralen Nervensystem blockiert wird. Die Verfahren sind sehr sicher und bieten dem Patienten ein Höchstmaß an Komfort.
Im Gegensatz zur Vollnarkose muss der Patient bei einer Teilnarkose nicht in einen Tiefschlaf versetzt und künstlich beatmet werden. Auch die Nebenwirkungen und Risiken einer Vollnarkose entfallen dadurch. Alle Regionalanästhesie-Verfahren lassen sich mit einer Sedierung, also einem leichten Schlaf mit aufrecht erhaltener Eigenatmung des Patienten, kombinieren. Sie können während der Teilnarkose auch über einen unserer iPods die Musik Ihrer Wahl hören.
Durch Technik zum Erfolg
Technik spielt bei der Teilnarkose gleich eine doppelte Rolle. Wie in vielen anderen Berufen macht Übung auch bei uns den Meister. Durch das regelmäßige Anwenden der verschiedenen Verfahren erlangt ein Anästhesist die größte Routine. Dabei verlassen wir uns mittlerweile nicht mehr nur alleine auf unsere Anatomiekenntnisse. Moderne Hilfsmittel unterstützen den Anästhesisten bei seiner Arbeit. Standard im Bereich der peripheren Regionalanästhesie sind bei uns Elektrostimulationsgeräte. Durch leichte Stromimpulse lässt sich damit der Zielnerv sicher identifizieren. In Zukunft wird aber auch die ultraschallgesteuerte Anlage einzelner Nervenblockaden einen immer größeren Stellenwert einnehmen, so auch in Tutzing.
Durch Technik zum Erfolg
Technik spielt bei der Teilnarkose gleich eine doppelte Rolle. Wie in vielen anderen Berufen macht Übung auch bei uns den Meister. Durch das regelmäßige Anwenden der verschiedenen Verfahren erlangt ein Anästhesist die größte Routine. Dabei verlassen wir uns mittlerweile nicht mehr nur alleine auf unsere Anatomiekenntnisse. Moderne Hilfsmittel unterstützen den Anästhesisten bei seiner Arbeit. Standard im Bereich der peripheren Regionalanästhesie sind bei uns Elektrostimulationsgeräte. Durch leichte Stromimpulse lässt sich damit der Zielnerv sicher identifizieren. In Zukunft wird aber auch die ultraschallgesteuerte Anlage einzelner Nervenblockaden einen immer größeren Stellenwert einnehmen, so auch in Tutzing.
Die Spinalanästhesie
Vorbereitung
Da Sie bei der Anlage der Spinalanästhesie wach sind, wird Ihr Anästhesist sie stets über das aktuelle Geschehen unterrichten. Zunächst müssen Sie eine sitzende Haltung einnehmen, und wir werden Ihren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule ausgiebig desinfizieren. Im weiteren Verlauf decken wir die Einstichstelle steril ab und applizieren eine kleine Menge eines örtlichen Betäubungsmittels unter die Haut. Dies ist in aller Regel der einzige kurze Pieks, den Sie bei der Anlage der Spinalanästhesie spüren.
Durchführung
Mit einer hauchdünnen Nadel (im Bild: 1), sticht der Anästhesist nun zwischen zwei Lendenwirbelkörpern hindurch in den sogenannten Spinalraum. Dies geschieht auf einer Höhe, in der das Rückenmark nicht verletzt werden kann, da es bereits eine Handbreit über der Einstichstelle endet (im Bild: 2). In diesem Raum zirkuliert das Nervenwasser (Liquor) kontinuierlich um das Rückenmark und das Gehirn. Jetzt werden 3-4 ml Lokalanästhetikum in diesen Raum injiziert. Sie verteilen sich und umspülen die aus dem Rückenmark nach unten abzweigenden Nervenfasern. Das Rückenmark selbst endet wohlgemerkt mehrere Zentimeter oberhalb der Einstichstelle. Die Nadel wird sofort nach der Injektion des Lokalanästhetikums wieder entfernt. Das Medikament unterbricht nun die Schmerzweiterleitung von der Peripherie ins Gehirn. Zunächst wird das Gesäß warm und innerhalb weniger Minuten der gesamte Unterkörper schmerzunempfindlich. In den meisten Fällen spüren Sie gar keine Berührung mehr. In jedem Fall prüft der Anästhesist vor Operationsbeginn noch einmal die Ausdehnung und Wirkung der Spinalanästhesie.
Beendigung
Die Spinalanästhesie kann nicht gezielt beendet werden. Je nach verwendetem Lokalanästhetikum hält die Wirkung zwischen einer und sechs Stunden an und lässt dann wie beim Zahnarzt von ganz alleine nach. Sollten Sie Angst davor haben, während des Eingriffs wach zu sein, so können wir Ihnen auf Wunsch gerne ein leichtes Schlafmedikament verabreichen. Dadurch nehmen Sie die Umgebung um sich herum kaum noch wahr. Wenn Sie möchten, können Sie sich auch gerne Musik in Form von transportablen CD- oder MP3-Playern mitbringen, oder Sie lauschen über einen unserer iPods einfach der Musik Ihrer Wahl.
Was spricht gegen eine Spinalanästhesie?
Bei einigen wenigen Patienten ist die Durchführung einer Spinalanästhesie leider nicht möglich. In erster Regel sprechen folgende Gründe gegen eine Spinalanästhesie:
- Einnahme gerinnungshemmender Medikamente ab einer bestimmten Menge
- Stenosen, also Engstellen, im Bereich des Abgangs der Aorta aus dem Herzen
- Wunden oder Infektionen im Bereich der potentiellen Einstichstelle
Gegebenenfalls können im Einzelfall noch anderen Gründe gegen eine Spinalanästhesie sprechen. Ihr Anästhesist in der Anästhesiesprechstunde wird dies bei Bedarf genau mit Ihnen besprechen.
Die Periduralanästhesie
Die Periduralanästhesie wird häufig mit der Spinalanästhesie verwechselt. Sie ist zwar auch ein rückenmarksnahes Verfahren, aber die Injektion des Lokalanästhetikums erfolgt in einen anderen Raum, den sogenannten Periduralraum. Dieser liegt anatomisch gesehen vor dem Spinalraum und ist von diesem durch die harte Hirnhaut, die Dura mater, getrennt. Die Periduralanästhesie ist ein klassisches Begleitverfahren bei großen Bauch- oder Extremitäteneingriffen, um dem Patienten in den Tagen nach der Operation sehr einfach und angenehm die Schmerzen zu nehmen.
Vorbereitung
Die Vorbereitungen sind weitestgehend analog zu denen bei der Spinalanästhesie. Der Anästhesist begutachtet zunächst den Rücken des sitzenden Patienten und markiert sich die beste Stelle für die spätere Punktion. Dieser Bereich wird dann mehrfach ausgiebig desinfiziert und steril abgedeckt.
Durchführung
Es wird eine kleine Menge örtlichen Betäubungsmittels unter die Haut gespritzt. Das Schmerzempfinden in diesem Bereich ist nun aufgehoben, und der Patient bekommt von der Anlage der Periduralanästhesie, abgesehen von einem leichten Druck, nichts mehr mit. Mit einer speziellen Nadel und einer ebenso speziellen Technik sucht der Anästhesist nun den Periduralraum im Wirbelkanal auf. Über die liegende Kanüle wird dann direkt ein hauchdünner Plastikkatheter eingeführt und die Kanüle im Anschluss entfernt. Der Katheter wird fixiert und kann mehrere Tage in dieser Position verweilen.
Aufrechterhaltung
Über den einliegenden Katheter kann nun intermittierend oder kontinuierlich über Spritzenpumpen, ein Lokalanästhetikum verabreicht werden. Ziel ist es in den meisten Fällen, eine Schmerzausschaltung bei erhaltener Muskelfunktionalität in den Beinen zu erreichen.
Vorteile
- Wirksamste Methode der Schmerzausschaltung nach großen Operationen
- Schmerztherapie über mehrere Tage möglich
- Möglichkeit der Steuerung der Therapie über Knopfdruck durch den Patienten selbst
- positive Beeinflussung der Wundheilung möglich
Unterschiede zwischen Spinal- und Periduralanästhesie
- Die Injektion des Lokalanästhetikums erfolgt in unterschiedliche Räume (Spinalraum <-> Periduralraum.
- Im Unterschied zur Spinalanästhesie, die ein so gennantes single-shot-Verfahren darstellt, wird bei der Periduralanästhesie ein Katheter eingeführt, der das Nachinjizieren von Lokalanästhetikum ermöglich.
- Die Spinalanästhesie kann nur im Bereich der Lendenwirbelsäule angelegt werden.
- Die Periduralanästhesie kann im Bereich der Brust- und der Lendenwirbelsäule angelegt werden.
Der axilläre Plexusblock
Der axilläre Plexusblock ist ein Regionalanästhesieverfahren der oberen Extremität. Mit einem Elektrostimulationsgerät suchen wir auf der Innenseite des Oberarms gezielt nach den Nerven, die für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Nach Injektion eines Lokalanästhetikums können Operationen im Bereich des Unterarms ohne Schmerzen durchgeführt werden.
Der distale Ischiadicusblock (DIB)
Der distale Ischiadicusblock ist ein Regionalanästhesieverfahren der unteren Extremität. An der Außenseite des Oberschenkels, kurz oberhalb der Kniescheibe, wird ein Anteil des Nervus Ischiadicus aufgesucht und mit Lokalanästhetikum umspült. Der DIB eignet sich für Operationen an den Füßen und am Unterschenkel.
Die Ischiadicus Femoralis obturatorius Blockade (IFOB)
Bei diesem Verfahren werden über zwei Punktionen zwei Nerven der unteren Extremität ausgeschaltet. Damit gelingt es auch, sehr aufwändige Operationen wie die Knieprothese mit einer Regionalanästhesie zu versorgen, ohne eine rückenmarksnahe Punktion durchzuführen. Weiterer Vorteil besteht in der postoperativen Schmerztherapie, bei der zwei separate Infusionspumpen (Perfusoren) lokale Betäubungsmittel über zwei hauchdünne Katheter in die Nähe der Nerven bringen. Somit wird eine frühestmögliche Mobilisation gewährleistet, ohne auf systemische Schmerzmittel zurückzugreifen.