Psychologische Schmerztherapie

Die Anwendung psychologischer Schmerztherapie hat nichts mit "verrückt sein" zu tun. Sie ist ein zusätzliches, wichtiges Angebot, um mit den bestehenden Schmerzen besser umzugehen. Die notwendigen medizinischen Behandlungen werden dadurch nicht beeinträchtigt, vielmehr werden diese parallel weitergeführt und unterstützt.

Gemäß dem bio-psycho-sozialen Erklärungsmodell besteht chronischer Schmerz einerseits aus der körperlichen Schmerzempfindung, andererseits aus dem psychischen Leiden. Zu Beginn besteht z.B. ein akuter Schmerz, der sich im Laufe der Zeit verstärkt, wodurch sich die psychische und soziale Konstitution des Betroffenen verändert. Diese Veränderung führt schließlich zu einer weiteren Verstärkung des Schmerzes, was wiederum Psyche und soziales Leben negativ beeinflusst. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist die Einbeziehung eines Psychologen unserer Erfahrung nach häufig sehr nützlich und sinnvoll.

Was leistet Psychologie mit welchen Methoden?

Ziel psychologischer Schmerztherapie ist es, den Patienten zur Selbstkompetenz im Umgang mit den Schmerzen und deren Folgen zu verhelfen, so dass sie nicht mehr passiv leiden, sondern aktiv und bewusst in das Schmerzgeschehen eingreifen können. Das Schmerzproblem wird durch Psychologen im gesamten Lebenszusammenhang gesehen. Sie beziehen sowohl die sensorische (Empfindung und Rhythmik) als auch die affektive Komponente (Gefühle und Schmerzangst) in ihre Behandlung mit ein.

Je nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten finden verschiedene Ansäzte Anwendung: neben kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen (Denken, Wahrnehmung, Bewertung des Schmerzes, Aufmerksamkeit, Gedächtnisaspekte) auch konfliktbezogene Gespräche zur Stressverarbeitung: Übungen zur Schmerzbewältigung, verschiedene Entspannungsverfahren, Biofeedback, Problemlösungstrainings, Selbstsicherheitstrainings sowie Kommunikationstrainings.

Bei einigen Patienten bestehen noch weitere psychische Beschwerden oder Konflikte, für deren Behandlung eine längerfristige Psychotherapie notwendig ist. In diesen Fällen helfen wir gerne, einen wohnortnahen Therapieplatz zu finden.

Derzeit arbeiten sieben Psychologen/innen unter der Leitung von Dr. rer. med., Dipl. Psych., Dipl. Soz. Päd. Iris Liwowsky in unserem interdisziplinären Team in Tutzing. Alle Kolleginnen und Kollegen haben fundierte schmerzpsychologische Erfahrung und arbeiten mit verschiedenen Schwerpunkten. Somit können wir in Tutzing den Problemen unserer Patienten sehr individuell begegnen.