Multimodale Schmerztherapie

Schmerzen sind ein sehr komplexes Phänomen. Sie umfassen Komponenten wie das Erleben und Empfinden des Schmerzes, die Psyche des Patienten, das Verspannen von Muskulatur durch den Schmerz und andere Komponenten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dem Schmerz mit unterschiedlichen Methoden oder Modulen entgegenzuwirken. Die multimodale Schmerztherapie geht auf diese Komponenten ein.

Was bedeutet multimodal?

Unter einer multimodalen Schmerztherapie versteht man die gleichzeitige, inhaltlich eng aufeinander abgestimmte Behandlung durch unterschiedliche therapeutische Disziplinen: Das behandelnde Team besteht aus Ärzten, Psychologen/Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und Ko-Therapeuten.

Damit versucht dieser Therapieansatz, sämtliche Facetten der Schmerzentstehung und seiner Symptome zu behandeln. Zugrunde liegt das Bio-Psycho-Soziale Modell des Schmerzes.

Dieses Therapiemodell wurde zur Stabilisierung des Behandlungserfolges speziell bei Patienten mit chronischen Schmerzen entwickelt. Es werden Strategien der Schmerzbewältigung vermittelt, um Lebensqualität und Aktivität zu verbessern. Wichtig für berufstätige Patienten ist die Erhaltung oder Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit. Multimodale Programme erfordern eine aktive Mitarbeit und eine hohe Motivation des Patienten. Sie gelten heute als Goldstandard in der Therapie chronischer Schmerzen.

Inhalte einer mehrwöchigen multimodalen Behandlung (2-6 Wochen) sind u. a.:
 
Medizinische Behandlung:

  •     Fortführen und Überwachen einer bestehenden medikamentösen Therapie
  •     Information zu medizinischen Themen der Schmerzdiagnostik und -therapie (Entstehung von chronischem Schmerz, Wirkweise von Medikamenten, Funktionsweise der Wirbelsäule)
  •     Vermeidung von invasiven oder operativen Verfahren während des Programms



Körperorientierte Behandlung:

  •     Wahrnehmungsschulung
  •     Körperliche Aktivierung
  •     Atemtherapie
  •     Krankengymnastik und Physiotherapie mit Selbstanleitung
  •     Medizinische Trainingstherapie einzeln und in der Gruppe (Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining, Gerätetraining)
  •     Ergotherapie
  •     Arbeitserprobung
  •     Kunsttherapie

Psychologische Behandlung:

  •     Veränderung schmerzfördernder Bedingungen
  •     Informationsgruppen rund um den chronischen Schmerz
  •     Stressbewältigungstraining
  •     Biofeedback
  •     Erlernen von Entspannungsverfahren
  •     Training sozialer Kompetenz
  •     Erlernen neuer Schmerzbewältigungsstrategien (Aufmerksamkeitsfokussierung, Imagination, Selbstinstruktion)


Soziale Maßnahmen:

  • Renten- und Sozialberatung

 
Blockprogramme für bestimmte Patientengruppen (zum Beispiel beim Fibromyalgiesyndrom):
 
Wir bieten fest strukturierte Blockprogramme für geschlossene Gruppen von sechs bis acht Patienten an, die über mehrere Wochen eine Betreuung nach festem Plan vorsehen (je nach Gruppe zwei bis sechs Wochen).

Speziell ist in Tutzing auch eine Seniorengruppe für betagte Patienten eingerichtet. Neben den zeit- und betreuungsintensiven Blockprogrammen bieten wir auch kürzere Therapieprogramme an, die je nach erforderlicher Therapieintensität über unterschiedliche Dauer an einem oder zwei Tagen pro Woche erfolgen. Basisinhalte der Programme sind körperliches Training inklusive Schulung der Körperwahrnehmung, Schmerzbewältigungstraining, Wissensvermittlung zu schmerzbezogenen Themen und Entspannungstraining. Meist wird zudem eine psychologische Gruppen- und/oder Einzeltherapie angeboten, häufiger auch ein Training sozialer Kompetenzen. Damit wird eine sehr hohe und für die Patienten anstrengende Therapiedichte erreicht.

Es kann notwendig sein, dass Patienten an einem Vorbereitungsprogramm für die Blockprogramme teilnehmen müssen, beispielsweise, um ausgleichbare körperliche Einschränkungen zu beheben oder die Scheu vor Gesprächsgruppen abzubauen. Diese Vorbereitung erfolgt ebenfalls in Form multimodaler Angebote auf möglichst breiter Ebene.

Ein spezielles Gruppenangebot haben wir für Patienten entwickelt, die an einem Fibromyalgiesyndrom leiden.
Während der Zeit der Blockprogramme bieten wir unseren Patienten die Unterkunft in unserem preiswerten Gästehaus an (derzeit 10€/Nacht).

Resultate – wissenschaftliche Ergebnisse

Extrem positive Daten zur Wirksamkeit eines diagnoseunabhängigen multimodalen Therapieprogramms bei Rückenschmerzen und anderen Schmerzen wurden unlängst erstmalig für Deutschland publiziert (Pöhlmann, K. Et al., Der Schmerz, Februar 2009). Dabei zeigten sich signifikante Veränderungen mit mittleren bis hohen Effektstärken. Die Ergebnisse blieben über den Zeitraum von sechs Monaten stabil. Die Back-to-work-Rate (Patienten, die danach wieder arbeitsfähig waren) lag nach sechs Monaten bei 63%. Dies belegt eindrucksvoll, dass unter den oben dargestellten Bedingungen auch bei hoch chronifizierten Schmerzpatienten sehr gute und stabile Behandlungsergebnisse erreicht werden können.